Unternehmensgeschichte und Jubiläum
Wie plant man ein Firmenjubiläum, das in Erinnerung bleibt?
Frank Hüttemann · 8. August 2026 · 7 Minuten Lesezeit
Ein Firmenjubiläum steht lange vorher im Kalender. Trotzdem trifft es viele Unternehmen überraschend.
Plötzlich sind es noch zwölf Monate. Jemand schlägt eine Chronik vor. Jemand anderes möchte ein großes Fest. Marketing denkt an eine Kampagne, Personal an Mitarbeitende und Vertrieb an Kundengeschenke. Die Geschäftsführung möchte etwas Besonderes. Was genau, soll die Projektgruppe herausfinden.
Ein gutes Jubiläum beginnt deshalb nicht mit der Frage nach Veranstaltung, Logo oder Give-away. Es beginnt mit einem gemeinsamen Ziel.
Ein Jubiläum ist mehr als eine Feier
Ein runder Geburtstag bietet einen seltenen Anlass, an dem Menschen freiwillig auf die Geschichte eines Unternehmens schauen. Diese Aufmerksamkeit kann weit über einen Abend hinaus wirken.
Ein Jubiläum kann:
- Mitarbeitende verbinden und würdigen
- Kundenbeziehungen vertiefen
- Wissen und Erinnerungen sichern
- die Herkunft der Marke erklären
- Veränderung und Zukunftsstrategie einordnen
- regionale Verbundenheit sichtbar machen
- Presse und Öffentlichkeit erreichen
- Inhalte für Monate oder Jahre schaffen
Wer nur eine Veranstaltung plant, nutzt einen kleinen Teil dieses Potenzials.
Phase 1: Ziel und Rahmen klären
Was soll das Jubiläum bewirken?
Formulieren Sie höchstens drei Hauptziele. Zum Beispiel:
- Danke an Mitarbeitende und Wegbegleiter sagen
- die Zukunftsstrategie verständlich machen
- die Unternehmensgeschichte professionell sichern
Zehn gleichrangige Ziele führen zu zehn unverbundenen Maßnahmen.
Wer soll erreicht werden?
Typische Zielgruppen sind:
- aktuelle Mitarbeitende und ihre Familien
- ehemalige Mitarbeitende
- Kunden und Interessenten
- Lieferanten und Partner
- Bewerber und Nachwuchskräfte
- Eigentümerfamilie
- Politik, Verbände und Region
- Fach- und Lokalmedien
Nicht jedes Format muss jede Zielgruppe erreichen.
Wie groß ist der Rahmen?
Klären Sie früh:
- Budgetkorridor
- Termin oder Jubiläumsjahr
- interne Projektleitung
- Entscheidungsgremium
- verfügbare Ressourcen
- externe Partner
- rechtliche und organisatorische Anforderungen
Phase 2: Die Geschichte erschließen
Bevor ein Leitmotiv entwickelt wird, muss das Unternehmen seine eigene Geschichte kennen.
Starten Sie mit:
- vorläufigem Zeitstrahl
- Sichtung vorhandener Archive
- Auswahl wichtiger Zeitzeugen
- Sammlung von Fotografien und Dokumenten
- Prüfung schwieriger oder unklarer Kapitel
- Recherche externer Quellen
Warten Sie nicht bis kurz vor dem Jubiläum. Ehemalige Mitarbeitende und unbeschriftete Bilder sind keine beliebig erneuerbaren Ressourcen.
Phase 3: Eine Jubiläumsidee entwickeln
"100 Jahre Unternehmen X" ist ein Datum, noch keine Idee.
Ein gutes Leitmotiv verbindet Herkunft, Gegenwart und Zukunft. Es entsteht aus einer echten Eigenschaft oder wiederkehrenden Haltung des Unternehmens.
Fragen Sie:
- Was hat dieses Unternehmen durch verschiedene Zeiten getragen?
- Welche Entscheidungen zeigen seinen Charakter?
- Welche Leistung für Kunden oder Region zieht sich durch die Geschichte?
- Was soll aus der Vergangenheit in die Zukunft mitgenommen werden?
- Welche Spannungen und Veränderungen gehören ehrlich dazu?
Das Leitmotiv sollte offen genug für verschiedene Formate und konkret genug für eine erkennbare Geschichte sein.
Phase 4: Formate sinnvoll kombinieren
Für Mitarbeitende
- Jubiläumsveranstaltung
- Zeitzeugenabende
- interne Ausstellung
- Podcast mit ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden
- Geschichten aus Abteilungen
- Familientag
- Ehrungen und persönliche Danksagungen
Für Kunden und Partner
- Jubiläumsbuch oder Magazin
- exklusive Fachveranstaltung
- Kundenporträts und gemeinsame Meilensteine
- Sonderedition oder Projektchronik
- persönliches Anschreiben der Geschäftsführung
Für Öffentlichkeit und Region
- digitale Unternehmensgeschichte
- Ausstellung
- Pressearbeit
- Tag der offenen Tür
- Kooperation mit Museum, Archiv oder Schule
- gemeinnütziges Jubiläumsprojekt
Für langfristige Wirkung
- geordnetes Unternehmensarchiv
- dokumentierte Interviews
- Website-Chronik
- Bilddatenbank mit Rechten und Beschriftungen
- Buch oder Film
- wiederverwendbare Geschichten für Recruiting und Marke
Ein Zeitplan über 18 Monate
18 bis 15 Monate vorher
- Projektleitung und Entscheidungsteam benennen
- Ziele, Zielgruppen und Budgetrahmen klären
- Jubiläumstermin sichern
- Archiv- und Quellenlage prüfen
- externe Partner auswählen
15 bis 12 Monate vorher
- Recherche und Interviews starten
- Leitmotiv und Kommunikationskonzept entwickeln
- Formate priorisieren
- Veranstaltungsorte und wichtige Dienstleister buchen
- Rechte- und Datenschutzfragen klären
12 bis 9 Monate vorher
- Chronik, Buch oder Film konzipieren
- Gestaltungssystem entwickeln
- interne Kommunikation starten
- Programm und Dramaturgie der Veranstaltungen planen
- Presse- und Content-Plan erstellen
9 bis 6 Monate vorher
- Inhalte produzieren
- Einladungsmanagement vorbereiten
- Website oder Jubiläumsbereich umsetzen
- Ausstellung, Medien und Drucksachen entwickeln
- Risiken und Logistik prüfen
6 bis 3 Monate vorher
- Einladungen versenden
- Programm finalisieren
- Technik, Catering und Abläufe abstimmen
- Führungskräfte und Moderation vorbereiten
- Content und Pressearbeit ausspielen
3 Monate bis Jubiläum
- Generalproben und finale Freigaben
- Gäste- und Sicherheitsmanagement
- interne Aktivierung
- Dokumentation vorbereiten
- Krisen- und Ausfallplan prüfen
Nach dem Jubiläum
- Bilder, Filme und Interviews sichern
- Gäste und Mitwirkende wertschätzen
- Inhalte weiterverwenden
- Projekterfolg auswerten
- Archiv und Rechte sauber übergeben
Die häufigsten Planungsfehler
Zu spät beginnen
Gute Recherche, Veranstaltungsorte, Bücher und Filme brauchen Zeit. Zeitdruck macht Projekte teurer und oberflächlicher.
Das Fest mit der Strategie verwechseln
Eine schöne Veranstaltung ist wertvoll. Ohne übergreifende Idee bleibt sie jedoch ein einzelner Abend.
Geschichte glätten
Eine reine Erfolgschronik wirkt schnell unglaubwürdig. Krisen, Irrwege und Veränderungen zeigen oft deutlicher, was ein Unternehmen ausmacht.
Mitarbeitende nur als Gäste behandeln
Mitarbeitende sind Wissensträger und Teil der Geschichte. Ihre Perspektiven sollten früh einbezogen werden.
Zu viele Maßnahmen beginnen
Ein gutes Buch, eine starke Veranstaltung und ein nutzbares Archiv können wertvoller sein als zwanzig halb fertige Ideen.
Budget sinnvoll strukturieren
Teilen Sie das Budget in Bereiche:
- Strategie und Projektsteuerung
- Recherche und Unternehmensgeschichte
- Redaktion und Inhalte
- Gestaltung und Medienproduktion
- Veranstaltung und Logistik
- interne Kommunikation
- Presse und externe Kommunikation
- Dokumentation und Nachnutzung
- Reserve
Eine Reserve schützt vor Überraschungen. Jubiläen besitzen ein besonderes Talent, kurz vor dem Termin noch eine wichtige Idee hervorzubringen.
Erfolg messen
Definieren Sie Kennzahlen passend zu den Zielen:
- Beteiligung von Mitarbeitenden
- Rückmeldungen und qualitative Resonanz
- Nutzung der erstellten Inhalte
- Medienberichte
- Kundenkontakte
- Bewerberinteresse
- gesicherte Interviews und Archivbestände
- Reichweite und Verweildauer digitaler Inhalte
- langfristige Verwendung in Vertrieb, Recruiting und Marke
Fazit
Ein gutes Firmenjubiläum würdigt die Vergangenheit und arbeitet für die Zukunft. Es verbindet Menschen, sichert Wissen und macht sichtbar, welche Haltung ein Unternehmen durch Veränderungen getragen hat.
Beginnen Sie früh. Klären Sie das Ziel vor dem Programm. Und entwickeln Sie eine Idee, die mehr erzählt als eine runde Zahl.
Häufige Fragen
Wann sollte man ein Firmenjubiläum planen?
Für ein größeres Jubiläum sind zwölf bis achtzehn Monate Vorlauf sinnvoll. Bei umfangreicher Geschichtsrecherche, Buchproduktion oder großen Veranstaltungen kann ein früherer Start nötig sein.
Was gehört zu einem Firmenjubiläum?
Das hängt von Zielen und Zielgruppen ab. Häufig gehören Geschichte, interne Beteiligung, Veranstaltung, Kundenkommunikation, Pressearbeit und langfristig nutzbare Inhalte zusammen.
Wie findet man ein gutes Jubiläumsmotto?
Das Motto sollte aus der tatsächlichen Geschichte und Zukunft des Unternehmens entstehen. Allgemeine Begriffe wie Tradition und Innovation reichen allein selten für eine eigenständige Idee.
Braucht jedes Jubiläum eine Firmenchronik?
Nein. Eine fundierte Recherche ist trotzdem wertvoll. Sie kann auch in eine digitale Geschichte, Ausstellung, einen Film, Podcast oder eine Serie von Einzelgeschichten münden.
Wer sollte das Projekt leiten?
Eine verantwortliche interne Person braucht Mandat, Zeit und Zugang zu Entscheidungen. Kommunikation, Personal, Geschäftsführung und gegebenenfalls Eigentümer sollten klar definierte Rollen erhalten.
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